100 Ausgaben, 25 Jahre: Ihr Fachkreis für Steuerfragen der Heilberufe

Seit 100 Ausgaben informieren wir Sie in unserem Mandantenmagazin über steuerrelevante, wirtschaftliche und mittlerweile auch digitale Themen.

Wie sich der Fachkreis entwickelt hat und welcher Mehrwert sich für Mandanten ergibt, erfahren Sie von Gründern, Nachfolgern und Neueinsteigern –
exklusiv von den Mitgliedern.


Foto: © Alex from the Rock / AdobeStock

Herr Haarlammert, Sie sind Gründungsmitglied, waren bis 2014 im Vorstand der meditaxa Group e. V.
Wie können wir uns die Anfänge des Fachkreises vorstellen?

Kurt Haarlammert | LIBRA: Ich kam 1987 zum Arbeitskreis für Steuerfragen, der 1949 von Paul Heinze gegründet worden war. Da es damals keinen übergreifenden Austausch bzw. keine schnelle Verbreitung von Informationen gab, musste ein Netzwerk geschaffen werden – der Arbeitskreis mit drei jährlichen Fortbildungsveranstaltungen. Dort wurden persönliche Erfahrungen zu Steuerthemen und Urteilen ausgetauscht, denn nicht alle trugen den Titel „Steuerberater“. Die wenigen Fachpublikationen, die es gab, dienten als Fortbildungsunterlagen. Man steckte mit dem Thema noch in den Kinderschuhen, aus denen wir aber sehr schnell herausgewachsen sind. Mit der Gründung des „Arbeitskreis für Steuerfragen der Heilberufe e. V.“ 1997 hatten wir nicht nur ein neues Niveau der steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Beratung im Gesundheitswesen erreicht, sondern eine Plattform gebildet, die mit ihren vielseitigen Kompetenzen der Mitglieder – auch heute noch – definitiv ihresgleichen sucht.

Herr Haas, Sie sind seit 2015 Vorstandsvorsitzender
– wie gestaltet sich Ihr Aufgabenbereich?

Matthias Haas | Haas & Hieret: Wie in jedem anderen Verein auch, bedeutet es in erster Linie, dass man ihn nach außen hin repräsentiert und als Vorsitzender offiziell die gesamte Verantwortung trägt. Im Innenverhältnis zu den Mitgliedern sehe mich aber eher als ebenbürtiger Teil einer starken Gemeinschaft. Die Vorstandsaufgaben sind sehr vielfältig: Die inhaltliche Vorbereitung der Tagungen und auch hier arbeiten wir – wie in der Gesamtheit der meditaxa Group e. V. – als (Vorstands-)Team. Die Themen werden u. a. gemäß den Ideen und Wünschen der Mitglieder gemeinsam abgestimmt und vorbereitet. Externe Referenten werden geprüft und die Tagungen koordiniert. Abgesehen von den Tagungen besteht die Vorstandsarbeit darin, für die Weiterentwicklung des Vereins Kontakte zu potenziellen Dienstleistern und Netzwerkpartnern zu knüpfen, wobei ich auch hier auf sehr viele gute Ideen aus dem Kreis der Mitglieder zurückgreifen kann. Und natürlich unser meditaxa Mandantenmagazin – hier obliegt mir die Auswahl der Themen und die Prüfung der redaktionellen Umsetzung. Dabei liegt mein Augenmerk vor allem auf sachlicher Richtigkeit und guter Verständlichkeit für unsere Mandanten.

Wie würden Sie die Entwicklung des Arbeitskreises beschreiben?

Matthias Haas: Unser Arbeitskreis hat sich gerade in den letzten fünfzehn Jahren erkennbar weiterentwickelt. Früher lag der Fokus auf der Weiterbildung im Steuerrecht, was zum großen Teil daran lag, dass digitale Medien kaum genutzt werden konnten. Heute können wir unseren Blick über den Tellerrand der eigentlichen steuerlichen Beratung hinaus richten. Dementsprechend sind die Themen auf unseren Tagungen vielfältiger geworden.

Was denken Sie, wie wird der Fachkreis
von Außenstehenden wahrgenommen?

Dr. Felix Schleithoff | LIBRA: Ich hoffe als das, was wir auch sind – eine Gruppierung von Spezialisten, wenn es um die Beratung von Heilberuflern geht. Denn wir haben trotz dessen, dass alle Mitglieder in Selbstständigkeit agieren, oder gerade auch deswegen, eine bundesweite Kompetenz entwickelt.

Wie steht es um den Kern des Fachkreises? Würden Sie die Mitgliedschaft empfehlen, bspw. einer anderen Kanzlei oder Ihrem Nachfolger?

Volker Recktenwald | ARMINIA: Auf jeden Fall. Der Austausch unter den Mitgliedern ist wichtig. Gerade für kleine Kanzleien ist das essenziell, da wir bei Fragen auf die Kompetenzen im Fachkreis zurückgreifen können, um eine gute Lösung zu finden.

Ferdinand Tremmel | MEDIA: Das gilt auch für mich – da alle Mitglieder überwiegend oder ausschließlich Mandanten aus dem Bereich Heilberufe betreuen. Diese gebündelte Fachkompetenz, die Einzelne gar nicht leisten können, wird untereinander vorbehaltslos weitergegeben. Man kann wenn nötig auf eine Zweit- oder Drittmeinung zurückgreifen. Zudem ist die bundesweite Verteilung der Mitglieder ein Vorteil, den man nicht unbeachtet lassen darf, da wir mit der meditaxa Group fast alle der 17 kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) „abdecken“. Gerade hier in der Metropolregion Rhein-Neckar hat unsere Kanzlei mit 3 KVen (BW, RLP, Hessen) zu tun. Bei der Beratung von Mandanten außerhalb unserer Region ist es hilfreich, auf das Know-how eines ortsansässigen Kollegen zurückgreifen zu können. Unsere Mandanten sind dabei niemals einem Konkurrenzkampf ausgesetzt. Letzteres liegt an dem persönlichen Kontakt und dem Umgang miteinander in der meditaxa Group e. V.

Thema persönlicher Kontakt: Wie häufig arbeiten die Mitglieder des Fachkreises zusammen?

Marc-Andreas Hustedt | Hammer & Partner: Neben den Tagungen werden laufend Fachfragen in unserer digitalen Gruppe diskutiert. Selbstverständlich kommt es auch vor, dass wir uns persönlich austauschen, wenn es um spezielle Fragestellungen oder sogar einzelne Mandanten geht. Denn aufgrund unserer Fachkenntnisse sowie der starken Vernetzung kann es durchaus vorkommen, dass beispielsweise beim Verkauf einer Arztpraxis der Verkäufer von dem einen und der potentielle Übernehmer von dem anderen Mitglied betreut wird. Wir sind eben auch überregional tätig.

Sie sind als „Nachfolger“ Mitglied in der meditaxa Group e. V. – wann haben Sie für sich entschieden, die Mitgliedschaft weiterzuführen?

Matthias Haas: Mitglied des Vereins ist ja nicht die einzelne Person, sondern die jeweilige Kanzlei. Bei größeren Kanzleien mit mehreren Berufsträgern haben wir es immer so gehandhabt, dass nur einer von den Berufsträgern als fester Ansprechpartner und jeweiliger Teilnehmer an den Tagungen fungiert. Durch meinen Vater bin ich in das Ganze hineingewachsen und konnte schon früh den Mehrwert für unsere tägliche Arbeit erkennen. Als mein Vater im Jahr 2006 die Verantwortung in unserer Kanzlei auf die jüngere Generation übertrug, war es für uns selbstverständlich, die Mitgliedschaft fortzusetzen. Ebenso war es mir wichtig, seine Arbeit im Vorstand fortzuführen, so dass ich mich als Vorstandsmitglied zur Verfügung gestellt habe.

Ihrer Kanzlei ist eines der jüngst beigetretenen Mitglieder
– was war für Sie ausschlaggebend?

Rico Sommer | Tennert, Sommer & Partner: Wir Steuerberater sind ja ein von vielen Klischees umrankter Berufsstand und arbeiten in der Regel „einsam und allein“ in unseren „Elfenbeintürmen“. Im Fachkreis habe ich sehr nette und v. a. kompetente Kollegen gefunden, die einen angenehmen Austausch auf Augenhöhe und höchstem fachlichen Niveau ermöglichen. Es gibt lebhafte, teilweise emotionale Diskussionen, die einem neue Beratungsansätze und Denkweisen erschließen, die in unsere tägliche Beratung einfließen. Wir jungen Kollegen profitieren von der Erfahrung der älteren Generation und umgekehrt, diese von unserer Herangehensweise an eine zunehmend digitalisierte Welt. Es macht Spaß und wird zur Familie.

Dr. Ralf-Erich Schauer | Dr. Schauer & Partner: Man darf nicht vergessen, die meditaxa Group e. V. ist mit über 10.000 Mandanten bei Weitem die größte Plattform innerhalb der Fachkreise für Steuerfragen der Heilberufe. Dies hat uns inspiriert – wir sind als Kanzlei stolz, hier Mitglied zu sein und mitwirken zu dürfen. Denn der Austausch, den meine Kollegen beschrieben haben, ist wichtig: Die Kombination aus steuerlichem, rechtlichem sowie betriebswirtschaftlichem Fachwissen mit der Branchenkenntnis der Heilberufe zeichnet nicht nur uns als Kanzlei aus, das Wissen mit den Mitgliedern zu teilen, bietet auch den Mandanten einen besonderen Mehrwert.

Mehrwert ist ein gutes Stichwort – welchen Mehrwert haben Ihre Mandanten aufgrund Ihrer Kanzlei-­Mitgliedschaft im Fachkreis?

Jörg Eick | DELTA: Unsere Mandanten haben praktisch ein Netzwerk an Fachkompetenz zur Verfügung, da wir steuerliche Fragestellungen, auch komplexer Art, also konkrete Mandantenfälle zusammen lösen können. Unsere Vorträge zu Fachthemen – auch jene außerhalb des Steuerrechts, wie beispielsweise Zivil-/Sozial- und Zulassungsrecht sowie Berufsordnung usw. – werden bei den Tagungen von vornherein auf Heilberufler zugeschnitten, diskutiert und die diesbezüglichen wirtschaftlichen Fragestellungen erörtert. So hat die Mandantschaft die Möglichkeit, vom Steuerberater eine Beratung rund um das Arztmandat zu erhalten, die weit über die rein steuerlichen Themen hinausgeht – eben ein Netzwerk der Fachkompetenz.

Es gibt viele Freiberufler im Gesundheitswesen, die sich selbst um Ihre Steuerangelegenheiten kümmern, u. a. um Kosten zu sparen. Weshalb würden Sie gerade denjenigen raten, eben genau das nicht zu tun?

Jörg Eick: Selbstverständlich ist es möglich, die eigene Finanz-, und Lohnbuchhaltung etc. durchzuführen, wobei hier wegen der Komplexität, auch was den technischen Aspekt betrifft, der Aufwand nicht im Verhältnis steht. Rein wirtschaftlich gesehen ist es für Heilberufler günstiger, die Kosten der Steuerberatung, die zum Teil steuerlich berücksichtigungsfähig sind, zu tragen. Unabhängig davon ist es hinsichtlich der Folgeprobleme, bspw. bei Betriebs-, Sozialversicherungs- und Lohnsteuerprüfungen, für selbständige Heilberufler fast unmöglich, die Materie korrekt abzubilden.

„Das Steuerrecht von heute ist nie genau das gleiche von gestern oder morgen“* – welche Steuerregelungen sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

* Zitat von Walter Rügner (MEDIA Steuerberatungsgesellschaft) aus der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Arbeitskreises für Steuerfragen der Heilberufe.

Marc-Andreas Hustedt: Die fortschreitende Digitalisierung, insbesondere in der Zusammenarbeit mit dem Finanzamt, den Mandanten und in den Kanzleien, war in den vergangenen Jahren das vorherrschende Thema:
Die Einführung der verpflichtenden Abgabe von Steuererklärungen oder Umsatzsteuervoranmeldungen über ELSTER und damit das Verbot, eine Steuererklärung auf Papier einzureichen, war ein „Meilenstein“. Steuererklärungen sind jetzt digital vorausgefüllt, weil immer mehr Institutionen Daten elektronisch an das Finanzamt melden müssen. Es werden vermehrt Anträge digital gestellt. Steuerliche Anmeldungen für Selbständige und Unternehmen müssen seit dem 01.01.2021 über ELSTER eingereicht werden.
Auch die Arbeit in den Kanzleien wird zunehmend „digitaler“. Das betrifft nicht nur die Kommunikation mit den Mandanten und Ämtern, auch die internen Arbeitsabläufe laufen teilweise komplett digital ab. So bleibt die Arbeitsweise einheitlich und der Standard aller Finanzbuchhaltungen gleich hoch und entspricht den zunehmend strengeren Anforderungen des Bundesfinanzministeriums (GoBD).

Änderungen im Steuerrecht gab und gibt es immer. Seine Lenkungswirkung richtet sich immer mehr auf Umweltschutz, Schaffung von Wohnraum, gegen Schwarzarbeit sowie Steuerhinterziehung. So mindern Aufwendungen für Handwerkerleistungen im Privatbereich die Steuerlast. Energiesparende Investitionen werden gefördert, das Baukindergeld wurde eingeführt. Kapitalerträge werden pauschal mit 25 % besteuert – fragt sich, wie lange noch. Die Haltefrist bei Wertpapiergeschäften wurde abgeschafft. Das Investmentsteuerreformgesetz von 2018 hat zu weiteren einschneidenden Änderungen geführt.

Was geblieben ist, ist die persönliche Beziehung zum Mandanten inkl. der Beratungsgespräche. Und das ist trotz oder gerade wegen der Digitalisierung immer noch das Wichtigste!

Finanzen, Steuern, Recht – alles sehr vielseitige und interessante Themen: Welche schätzen Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Rico Sommer: Die meisten Menschen würden sagen, es sind trockene und „stinklangweilige“ Themen. Bei Fragen antworten Steuerberater meist wie Juristen: „Es kommt drauf an“. Dieses „Es kommt drauf an“ bewegt uns täglich. Es liefert Gestaltungsspielraum und Möglichkeiten, die Ziele und Wünsche unserer Mandanten durch unsere Beratung Realität werden zu lassen. Es gibt nichts Schöneres an unserem Beruf, als Menschen zu helfen. Zu sehen, wie durch unsere Hilfe ihre Unternehmen und Praxen erfolgreicher werden. Wir bekommen Vertrauen geschenkt, das wir uns oftmals erst im Laufe jahrelanger Tätigkeit wirklich verdienen. Mandanten von der Existenzgründung an ein Leben lang zu begleiten, ist bei uns im Hause nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Unser Beruf ist vielfältig. Wir beraten und unterstützen in allen Belangen und allen Lebenslagen. Fast täglich werden wir mit neuen Themen und Fragestellungen konfrontiert, die uns fordern, aber auch unser Leben und unseren Geist bereichern. Die „Steuern“ treten dabei oftmals in den Hintergrund.

Dr. Felix Schleithoff: Da kann ich nur zustimmen – das Interessante an unserem Beruf ist die Notwendigkeit, praktisch jeden Tag offen für Menschen, deren Sachverhalte und neue oder geänderte Rechtsvorschriften zu sein. Man muss zuhören, verstehen und dementsprechend individuelle Lösungen, die oft auch sehr komplex sein können, entwickeln. Die Paragrafen und Vorschriften per se sind auf den ersten Blick „trocken“, aber die Anwendung hingegen kann sehr spannend sein.

Wie lässt sich demnach die Beziehung zwischen Mandanten und Steuerberatern beschreiben?

Ferdinand Tremmel: Hier sind zwei wesentliche Punkte ausschlaggebend: gegenseitiges Vertrauen und gegenseitiger Respekt. Daraus entwickelt sich ein von Mandant zu Mandant sehr unterschiedliches Verhältnis. Das reicht von rein sachorientierter Zusammenarbeit bis hin zu einem fast schon freundschaftlichen Umgang. Wir orientieren uns an den Anforderungen und dem persönlichen Umgang unserer Mandanten mit uns und reagieren entsprechend. Die geringe Fluktuation in unserem Mandantenkreis und die Tatsache, dass wir noch immer einen Mandanten der ersten Stunde und mehrere Ärzte, die wir über ihre gesamte Tätigkeit als niedergelassene Mediziner und auch die Zeit danach betreuen, bestätigt uns hier.

Welche Wünsche äußern Mandanten am häufigsten?

Dr. Ralf-Erich Schauer: Unsere Mandanten wünschen sich immer häufiger ein sogenanntes „Rund-um-Sorglos-Paket“. Das bedeutet, dass sie nicht nur einen kompetenten Ansprechpartner haben möchten, der sie in steuerlichen, juristischen, betriebswirtschaftlichen oder heilberuflichen Themen berät und zur Seite steht, sondern auch einen Partner, der die Situation des Unternehmens und den Unternehmer kennt. Das finden Mandanten nicht nur bei uns als Kanzlei, sondern auch im Fachkreis. Denn unser gemeinsames Ziel ist, Mandanten fachübergreifend eine maßgeschneiderte Beratung anzubieten.

Welchen Mehrwert hat das meditaxa Mandanten­magazin für die Leser?

Matthias Haas: Aus meiner Sicht hebt sich unser Mandanten­magazin deutlich von einem klassischen Mandantenbrief ab, denn es beschränkt es sich bei den Inhalten nicht nur auf steuerrechtliche Themen.

Was wünschen Sie dem Fachkreis
zur 100. Ausgabe?

Matthias Haas: Ich wünsche dem Fachkreis, dass er noch lange in der Form weiter besteht, in der er aktuell existiert. Es tut immer gut, sich mit den Kollegen austauschen und gegenseitig unterstützen zu können. Das ist etwas, was ich persönlich wirklich nicht missen möchte.

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