Nottestament: Ärzte als neutrale Zeugen

Nottestament: Ärzte als neutrale Zeugen

Der letzte Wille des Patienten wird in der Regel in Anwesenheit eines Notars schriftlich fixiert – aber was tun, wenn ein Patient akut lebensbedrohlich erkrankt ist, oder nach einem Unfall keine mehr Zeit für ein notariell beglaubigtes Testament ist? In solch einem Fall kann das sogenannte Nottestament ausnahmsweise durch mündliche Erklärung vor drei Zeugen errichtet werden. In der Praxis werden dabei gerne Ärzte oder medizinisches Personal herangezogen. Grundsätzlich kann jeder Mensch als Zeuge fungieren, Ausnahmen: nicht der Ehegatte des Erblassers, seine Kinder sowie bestimmte Personen und Verwandte, die durch das Testament einen rechtlichen Vorteil erwarten können – so eine aktuelle Entscheidung des Oberlandesgerichts Köln. Im Streitfall ging es um einen 84-jährigen Mann, der im Krankenhaus ein Nottestament vor drei Zeigen errichtete. Er legte darin fest, dass seine Frau alleinige Erbin sein solle. Unter den drei Zeugen befand sich allerdings auch der Sohn der Lebensgefährtin.

Das Gericht hielt das Testament daher für unwirksam. Auch wenn der Sohn keinen direkten rechtlichen Vorteil erwarten konnte, stand er in unmittelbarem Bezug zur zukünftigen Erbin und gilt in dem Fall als nicht vertrauenswürdig. Ärzte hingegen gelten in solchen Situationen als neutrale und vor allem vertrauenswürdige Zeugen.


Voraussetzungen für ein Notfalltestament

Die Todesgefahr muss tatsächlich vorliegen und/oder zur Überzeugung aller drei Testamentszeugen bestehen. Das ist dann der Fall, wenn von einem klinischen Zustand einer unmittelbar bevorstehenden Endphase des Lebens ausgegangen werden kann. Die mündliche Erklärung des Erblassers muss von den Zeugen schrilich niedergelegt werden und von allen Beteiligten – den drei Zeugen und dem Erblasser – eigenhändig unterschrieben werden. Falls es dem Erblasser körperlich nicht mehr möglich ist, seine Unterschrift zu leisten, muss dies in einem Protokoll vermerkt werden. Auch die Geschäfts- und Testierfähigkeit des Erblassers muss festgestellt werden. Das Nottestament ist längstens drei Monate gültig. Wenn der Erblasser nach diesen drei Monaten noch lebt, so muss er ein neues privatschriftliches oder notarielles Testament aufsetzen lassen.

meditaxa Redaktion | Quelle: A&W Ausgabe 10/17

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