Was bedeutet MiFID II für die Anlageberatung

Was bedeutet MiFID II für die Anlageberatung

Wesentliche Ziele
Die Märkte sind heutzutage zunehmend komplex und unübersichtlich geworden. Dieses führte zu einer Neujustierung der bestehenden Regulierungen an den Kapitalmärkten. Die 2004 in Kraft getretene und seit November 2007 anzuwendende europäische Finanzmarktrichtlinie, kurz MiFID I genannt, sollte die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Finanzmärkte durch Schaffung eines Binnenmarkts für Wertpapierdienstleistungen und Anlagetätigkeiten verbessern. Ziel war es, für Anleger ein gleichermaßen hohes Schutzniveau zu gewährleisten und die Märkte effizienter, widerstandsfähiger und transparenter zu machen. Diese damals eingeführten Regulierungen im Rahmen der EU-Richtlinie wurden nun überarbeitet und müssen zum 3. Januar 2018 in das jeweilige nationale Recht umgesetzt werden. Insbesondere der Teil des Anlegerschutzes wird im neuen Wertpapierhandelsgesetz wesentlich stärker verankert. Wichtige Änderungen für den Anleger sind:

Allgemeines Provisionsverbot – nur noch Ausnahmen erlaubt
Damit gewinnt die honorarbasierte Anlageberatung einen größeren Stellenwert. Zuwendungen Dritter dürfen nur noch vereinnahmt werden, wenn damit deutliche Qualitätsverbesserungsmaßnahmen für die Mandanten verbunden sind. So werden alle Zuwendungen Dritter ab dem 03.01.2018 im Zusammenhang mit unabhängiger Beratung an die Mandaten ausgekehrt.

Geeignetheitserklärung statt Beratungsprotokoll
Mit der MiFID II wird das bisher übliche Anlageberatungsprotokoll verschwinden. Es wird durch eine Erklärung der Geeignetheit ersetzt. Damit sollen mit der Anlageempfehlung die nanzielle Tragfähigkeit und die Risikobereitschaft stärker berücksichtigt werden. Weiterhin muss die Anlageempfehlung geeignet sein, die zuvor festgelegten Ziele des Mandaten zu erreichen und der Mandant soll im Rahmen seiner Erfahrungen und Kenntnisse die Anlageempfehlung auch verstehen.

Aufzeichnungspflichten
Im Rahmen von MiFID II werden die für das Wertpapierhandelsunternehmen bestehenden Organisationspflichten teilweise neu geregelt. So wird die Pflicht zur Aufzeichnung (Taping) und Archivierung von Telefongesprächen und elektronischer Kommunikation im Zusammenhang mit Wertpapiergeschä en eingeführt.

Absolute Kostentransparenz
Dem Mandanten sind ab 2018 alle Kosten vor das Erbringen der Dienstleistung und zudem alle Kosten der eingesetzten Finanzinstrumente offenzulegen. Dies sowohl ex-ante als auch ex-post. Ex-ante: muss der Mandant im Rahmen der Beratung vor Ausführung der Anlageempfehlung über alle voraussichtlichen Kosten informiert werden. Ex-post: werden die tatsächlichen Kosten im Rahmen eines Reportings explizit dargestellt.

Product Governance
Bei der Product Governance handelt es sich um eine Produktüberwachung von Finanzinstrumenten durch die „Konzepteure“ als auch durch die „Vertreiber“ der Produkte. Diese sollen zukünftig Zielmärkte degenieren. Der Anlageberater hat dann die Aufgabe, nur solche Produkte zu empfehlen, deren Zielmärkte mit den Zielen und dem Pro l der Mandaten bestmöglich übereinstimmen.

Fazit - Mehr Kostentransparenz, höherer Anlegerschutz, bessere Geldanlage - aber auch mehr Bürokratie und hohe Kosten für die Marktteilnehmer
Die Mandaten haben die Chance, ab 2018 unabhängige Beratung zu erkennen und diese in Anspruch zu nehmen. Dafür müssen sie aber unter Umständen mehr Bürokratie in Kauf nehmen und dem Berater für seine Dienstleistung ein faireres Honorar bezahlen.

Quelle: Bafin, Morningstar

GASTAUTORIN

Dorit Niemeyer
Vermögensverwalterin & Senior Partnerin

Deutsche Wertpapiertreuhand

Niemeyer Wagschal GmbH
Fahrenheitstraße 11
28359 Bremen

Telefon: 0421 989665 55

www.niemeyer-wagschal.wertpapiertreuhand.de

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